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NEUES KINO Basel (Fotografie Tobias Indermühle – Herzlichen Dank an die Crew um die Klybeckstrasse 247)

Ein wenig Geld können sie schon noch gebrauchen. Reich wird man hier nur auf ideelle Art. Dem Filmvorführer Johannes, der von Beruf Lehrer ist, gleitet das Filmband vorsichtig durch seine Hand. Wenn er den Streifen in die Ausgangsposition zerlegt hat, müssen die Rollen mit der Post morgen

mit freundlicher Genehmigung
Foto Hans-Jürgen Siegert
noch verschickt werden. Er turnt zwischen den beiden Maschinen seines Baumhauses, das für alle einsehbar im Foyer der ehemaligen Schlosserei hochgebaut worden ist, emsig hin und her. Weil der Abstand zur Leinwand des anliegenden Saales eher kurz gerät, stellt sich die Projektion wieder einmal schwierig. Improvisation und der Charme kleiner Unzulänglichkeiten gehören hier zum Anlass. Haimo, der heute für den Barbetrieb verantwortlich ist, hat die Erfahrung, dass gerade dieses Unfertige einen wichtigen Teil der Atmosphäre bildet. Man könnte es sich sowieso nicht leisten, die Designerwüsten der Kommerziellen nachahmen zu wollen. Durch einen Hausdurchgang betritt man den Hinterhof, in dem die Kultur für die Fantasie bereits aus dem Vorhandenen lebendig wird. Der Film und die Freude daran stehen in seinem Mittelpunkt. Sicher schwingt noch etwas der Gegenentwurf politischerer Jahre mit, aber schon die offen gehaltene Auswahl des Programmes bricht die Erwartungen an aufklärerische Agitation. Der Besucher trifft auf eine freundschaftliche Familie, das ,Dorf im Dorf’, wie es Haimo nennt und dessen Nähe für ihn, der im Quartier auch seine Bleibe gefunden hat, die Qualitäten der überschaubaren Szene verbindet. Die Ankündigung der Spielzeiten findet sich regulär im Tagesprogramm der Zeitung. Zu den zwei Vorstellungen der ,Blechtrommel’ sind gestern und an diesem Karfreitag schliesslich etwa 60 Personen gekommen. Kassier Simon und heute der Dritte im Bunde fragt nach der Mitgliedschaft, welche den Ticketpreis um fünf Franken reduziert. Die Ausgrabung der Reprisen gestaltet sich aufwendig und bedeutet für nur zwei Abende einen nicht refinanzierbaren Service (Verleih-, Urheberrechts- und Portogebühren). Der Schnauf der als Verein organisierten Kinobegeisterten (jeder macht ein wenig, was er kann) überdauert auch deshalb, weil Ab- und Zugänge für die fortlaufende Erneuerung der Energien sorgen (aus der Gründerzeit ist niemand mehr dabei), und die Christoph Merian Stiftung mit einem Unkostenbeitrag bis vor kurzem unter die Arme gegriffen hat. Alternativ Spielstätten sind in der Schweiz vor ca. 20 Jahren als Selbsthilfebewegungen entstanden und haben nicht selten spannende Wanderjahre hinter sich (Alte Stadtgärtnerei, Union, lokale Installationen), die über die Anstrengungen nicht etablierter Kultur Parallelen zu Engagements wie dem Restaurant Hirscheneck verknüpfen. Johannes meint, dass das Klima für solche Projekte momentan wieder am Leiden ist. Gerade der Kampf an der Aufmerksamkeitsgrenze kann aber auch einen Schutz bieten (Auflagen, Bewilligungen), sieht Haimo das Positive. Er hat Theke und Beamer, über den die Geschichte auch im Foyer verfolgt werden kann, verlassen, um bis zur Pause mit dem Publikum noch vor der Leinwand zu sitzen (welche hier eigentlich keine ist, oder Kinoleinwände keine sein sollten, und ihre Auswechslung deshalb bevorsteht). Im Hinterhof ist es mittlerweile Nacht geworden. Nach 145 Minuten wird man bei einem Bierchen den Abend gemütlich ausklingen lassen. Wohl bekomms

Basel, April 2006












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